Partytourismus überlastet Rettungsdienste auf Ibiza
Notrufe aus Großdiskotheken bis zum frühen Morgen wegen Fällen von Drogen- und Alkoholmissbrauch überlasten das Gesundheitssystem und behindern die Versorgung der einheimischen Bevölkerung
ALIN BLANCO
Ibiza
Sonntag, 31. August 2025
Elf Jahre sind vergangen, aber auf Ibiza erinnert man sich noch immer an den Fall des jungen Italieners, der nach einer durchfeierten Nacht bei einem Unfall einen Arm verlor, als er seinen Oberkörper aus dem Fenster eines fahrenden Autos streckte. Der betrunkene Verletzte bemerkte das Unglück erst, als die Polizei das Fahrzeug, das nach dem Aufprall auf einen Zaun noch vier Kilometer weitergefahren war, anhielt. Dieser Fall ist besonders krass, doch nur einer von vielen, mit denen die Rettungskräfte der Insel täglich konfrontiert sind. Eine echte Herausforderung stellen die großen Nachtlokale dar, die wegen der Vielzahl von Vorfällen in der Hochsaison den Rettungsdienst zu überlasten drohen. In den Mega-Discos – einige mit einer Kapazität von 5.000 bis 10.000 Personen – kommt es zu Notfällen, die vom bereits überlasteten öffentlichen Gesundheitswesen behandelt werden müssen.
Im vergangenen Jahr empfing Ibiza mehr als 3,6 Millionen Touristen, von denen viele wegen des stetig wachsenden, ausschweifenden Nachtlebens kamen. Zu den etablierten Clubs wie Es Paradís, Edén, Lío, Ibiza Rocks, Amnesia, Chinois, Destino, Ushuaïa oder Hï ist in diesem Jahr [UNVRS] hinzugekommen, ein Megaclub mit einer Kapazität für fast 10.000 Personen – der größte der Welt. Um das Freizeitangebot zu vervollständigen, verfügt Ibiza, die größte der Pityusen-Inseln, über zahlreiche Beach Clubs entlang der Küste, darunter Blue Marlin, Nikki Beach, Nassau, O Beach oder Playa Soleil.

Der Boom dieser riesigen Vergnügungsstätten hat direkte Auswirkungen auf die öffentlichen Rettungsdienste. Laut der Gewerkschaft USAE kommt es durch die von den Diskotheken angeforderten Notfalltransporte zu einer Überlastung der Rettungsdienste, die eigentlich für die Versorgung der 160.000 ständigen Einwohner der Insel vorgesehen sind. Die Mitarbeiter des öffentlichen Unternehmens GSAIB, das für die Krankenwagen zuständig ist, klagen, dass Notrufe aus diesen Lokalen inzwischen so häufig sind, dass sie nicht mehr bewältigt werden können.
Laut Angaben der USAE wird jeder dritte Einsatz von Clubs angefordert. «Manchmal fahren wir drei- oder viermal in derselben Nacht zu derselben Diskothek», versichert José Manuel Maroto von der Gewerkschaftszentrale. «Es gibt Lokale, in denen wir jeden Tag eine betrunkene Person abholen müssen», beklagt er. Die Anfragen kommen häufig in den frühen Morgenstunden und stehen meist im Zusammenhang mit übermäßigem Alkohol- und Drogenkonsum.
Angesagte Substanzen
Dabei sind die Discos auf Ibiza nicht billig. So kann der Eintrittspreis bis zu 100 Euro betragen und ein Getränk bis zu 25 Euro kosten. Laut Maroto fördert dies den Konsum von Drogen, da diese eine «billigere Alternative» darstellen. Das Nachtleben und das Image der Insel sind seit Jahren mit dem Konsum von Betäubungsmitteln verbunden. Obwohl diese illegal sind, «werden alle Arten konsumiert», was die Krise verschärft hat. Das geht so weit, dass das Gesundheitspersonal jedes Jahr vor Beginn des Sommers versucht, die in der Saison angesagten Substanzen vorherzusagen, um die entsprechenden Behandlungen bereitzuhalten.
Die Vorschriften verpflichten Nachtclubs dazu, medizinisches Personal wie Pflegekräfte und Rettungssanitäter bereitzustellen. Die USAE beklagt jedoch, dass es keine entsprechende Vorschrift für die Bereitstellung privater Krankenwagen gibt. Dies führe dazu, dass notwendige Transporte vom öffentlichen Gesundheitssystem übernommen werden müssten, das bereits an seine Grenzen stoße.

Die Diskotheken erfüllen die geltenden Vorschriften. Die Gewerkschaft kritisiert jedoch, die Anforderungen stünden in keinem Verhältnis zum Risiko. Als Beispiel nennt sie Sportveranstaltungen, die in der Regel von einem gesunden und körperlich fitten Publikum besucht würden. In diesen Fällen und sogar bei Versammlungen mit nur 300 Personen werde die Anwesenheit eines Krankenwagens mit erweiterter Lebenserhaltungstechnik verlangt. In Clubs hingegen, in denen Tausende von Besuchern zusammenkämen und der Konsum von Alkohol und Drogen extrem hoch sei, lediglich die Anwesenheit eines Sanitätsteams. Von allen Diskotheken der Insel sei DC10 die einzige, die über einen eigenen Notfalltransportdienst verfüge.
«Es ist unfair, dass Nachtclubs, die jährlich Millionen Euro verdienen, dieses Problem auf das öffentliche Gesundheitssystem abwälzen», kritisiert Maroto. «Letztendlich zahlen die Einwohner mit ihren Steuern die Rechnung», beklagt er. Und was noch schlimmer ist: Es sind die Einwohner selbst, die unter den Folgen des durch das Nachtleben verursachten Transportaufkommens leiden. Denn die aus den Clubs erhaltenen Notrufe sind in der Regel 'vorrangige Notfälle', da der Patient oft bewusstlos ist und die Gefahr besteht, dass er einen Herzstillstand erleidet oder sogar stirbt. Deshalb werden die Notrufe der Inselbewohner oft erst nach langer Wartezeit bearbeitet.
Dies bestätigen auch die Einwohner Ibizas, die beklagen, dass die Rettungsdienste nicht auf ihre Notrufe reagieren. Maroto macht keinen Hehl daraus und gibt zu, dass manchmal «zum Beispiel ein älterer Mann, der zu Hause gestürzt ist und möglicherweise eine Hüftfraktur erlitten hat, nicht versorgt wird. Wir verschieben das, um zuerst den dringendsten Notruf zu bearbeiten, der oft aus den Clubs kommt.»
Die Notfälle in den großen Discotheken haben es oftmals in sich. Wie die Mitarbeiter beklagen, handelt es sich dabei oft um besonders komplexe Situationen. Das liegt nicht nur am kritischen Zustand der Patienten, sondern auch am von Drogenmissbrauch geprägten Umfeld. Das kann zu besonders konfliktreichen Momenten führen. «Oft müssen wir die Patienten vorsichtshalber festhalten. Und wir müssen Aggressionen und sehr gefährliche Situationen ertragen», beklagen sich die Sanitäter.
Zwar hat sich die Situation in letzter Zeit verschlimmert, doch die prekäre Lage besteht schon lange. Die Gewerkschaften beklagen seit Jahren die mangelhaften Bedingungen. Es gebe zu wenige Krankenwagen und die mangelnde Wartung verschärfe die Situation. «Bei vielen ist die Klimaanlage defekt. Wir werden sie nicht mehr benutzen, weil es keinen schattigen Parkplatz gibt und die Temperatur unerträglich ist. Man kann darin weder arbeiten noch Patienten versorgen.» Zwei Fahrzeuge weisen bereits Mängel auf. «Und es gibt keine Ersatzfahrzeuge.»
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