Ausgesetzte Hunde helfen in Málaga alten Menschen über die Einsamkeit hinweg
Mit der Initiative des Tierschutzvereins machen die Vierbeiner tierisch Stimmung im Altenheim El Palo. Eindeutig eine Win-Win-Situation
IGNACIO LILLO
MÁLAGA.
Donnerstag, 6. Februar 2025
Die Gesichter der Senioren hellen sich umgehend auf, Lächelfalten kündigen die ungewöhnlichen Gäste an. Für ein paar Stunden sorgte vergangene Woche ganz besonderer Besuch für Abwechslung im Seniorenheim Élite in Málagas Stadtteil Miraflores de El Palo, die tägliche Routine wurde aufgebrochen und die Einsamkeit, unter der viele Heimbewohner leiden, kurz vergessen. Zu Gast waren ausgesetzte Hunde, die vom Tierheim Sociedad Protectora de Animales de Málaga betreut werden und in einer einmaligen Initiative die Rentner im Altenheim besuchten. Als Gegenleistung gab es Leckerli, Streicheleinheiten, glückliche Gesichter und Spielstunden. Begleitet wurden die Vierbeiner von einer Gruppe freiwilliger Helfer des Tierheims.
Blanca Fernández ist 30 Jahre alt, seit elf Jahren arbeitet sie bereits als freiwillige Helferin im Tierheim von Málaga. Morgens ist sie Musiklehrerin in einer Schule in Estepona, nachmittags setzt sie sich dafür ein, dass die Arbeit ihres gemeinnützigen Tierschutzvereins bekannter wird. Dafür sitzt sie an runden Tischen, hält Vorträge in Schulen und Unternehmen. Die Idee zu der neuen Initiative im Altenheim von El Palo entstand während ihrer Aufklärungskampagnen und in Zusammenarbeit mit der Stiftung Harena, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, gegen die soziale Isolation zu kämpfen.
Zutrauliche Hunde
Nach einigen Vorbereitungen war es dann so weit: Die erste Vierbeiner-Visite in der Seniorenresidenz Élite in Miraflores de El Palo war angesagt. Verschiedenste Hunderassen in verschiedenste Größen machten sich gemeinsam mit Pflegern auf den Weg. Voraussetzung: ruhiger Charakter, Zutraulichkeit und Offenheit gegenüber Fremden.
«Viele ältere Menschen leben in Einsamkeit, ohne Familie oder mit nur wenig Kontakt zu Angehörigen», sagt Blanca Fernández über ihre Initiative, die schon bald auch in anderen Altenheimen angeboten werden soll. Bei ihrem ersten Besuch im Heim in El Palo gab es zwei Turni: Zunächst trafen die Hunde mit den ältesten unter den Bewohnern zusammen, unter denen auch Alzheimer-Patienten waren. Dann waren die noch aktiven Senioren an der Reihe.
Die Ankunft der Vierbeiner wurde mit einem großen Hallo quittiert. Derartige Überraschungen sind selten in der Seniorenresidenz. «Die Senioren haben den gesamten Nachmittag mit den Tieren gespielt, sich über ihre Kapriolen gefreut, sie gestreichelt, mit Leckerli verwöhnt. Es war ganz sicher für sie ein besonderer Tag», erzählt Fernández. Für ein paar Heimbewohner war es auch ein Tag der Erinnerungen, denn sie hatten früher selbst ein Haustier gehabt.
Der Star des Tages war eindeutig Flaco, der Dünne. «Es ist ein Mastin von 50 Kilo, aber er ist total gutmütig und vor allem die Seniorinnen waren gleich von ihm angetan. Alle wollten ein Foto mit ihm», sagt Fernández. Die Kleineren unter den Vierbeinern machten derweil ihrem Ruf als Schoßhund alle Ehre und holten sich Streicheleinheiten ab. Als Dankeschön gab es sogar eine kleine Flamenco-Gesangseinlage einer Seniorin. Kurz: eine echte Win-Win-Situation, von der alle etwas hatten.
«Man hat uns schon gebeten, wiederzukommen», sagt eine der Freiwilligen der Stiftung Harena. «Die Senioren haben den Nachmittag wirklich sehr genossen, sahen glücklich aus. Die Tiere vermitteln eben eine sehr gute Energie, gute Vibrationen.» Bei Harena engagiert sich eine Gruppe junger Menschen, die die Senioren fast jede Woche in der Residenz von El Palo besuchen, um ihnen Gesellschaft zu leisten. Auch sie waren natürlich beim Besuch der Vierbeiner mit von der Partie.
Warten auf Adoption
Und auch die Hunde hatten einen guten Tag, «haben viele Streicheleinheiten bekommen und sind mal aus ihrem Zwinger herausgekommen, haben den Stress mit der kontinuierlichen Bell-Geräuschkulisse im Tierheim etwas vergessen können», meint Fernández. Worauf die Tiere jedoch natürlich wirklich warten, ist ein neues Zuhause. Zwei der Hunde wurden inzwischen adoptiert, ein weiterer nach Deutschland vermittelt.
Die Gruppe der freiwilligen Helfer rund um Blanca Fernández hat derweil schon neue Aktionen geplant. In der kommenden Woche werden sie mit den Hunden eine Seniorenresidenz in Benalmádena besuchen. Und auch ihre Aufklärungsarbeit in Schulen, Unternehmen und Universitäten ruht nicht, damit das Leid der ausgesetzten Tiere bekannter wird.