Der Zug von Nerja nach Algeciras würde pro Jahr rund 60 Millionen Passagiere befördern
Allein auf dem stark frequentierten Abschnitt Málaga-Estepona wird die Fahrgastzahl auf 46 Millionen veranschlagt – fast dreimal so viel wie im heutigen Nahverkehrszug
IGNACIO LILLO
MÁLAGA.
Donnerstag, 26. Dezember 2024
Wenn Verkehrsminister Óscar Puente den Ausbau des Küstenzugs mit Verve verteidigt und bewirbt, dann auch wohl, weil ihm bereits Daten vorliegen, die den Bau dieser Bahnverbindung unterstützen. Bekannt ist auch, dass es eine vom Ministerium favorisierte Streckenführung gibt, die, wo immer möglich, parallel zur Schnellstraße A-7 verlaufen soll. Es wäre eine Variante, die die Baukosten spürbar senken würde.
Jetzt wurden erste Zahlen einer Studie über die potenzielle Nachfrage für den Küstenzug bekannt, die vom Generalsekretariat für nachhaltige Mobilität in Madrid erstellt wurde. Zum Austausch über die geplante Studie waren Vertreter des Ministeriums, der andalusischen Landesregierung und der betroffenen Gemeinden bereits im November zusammengekommen.
Die Studie 'Mobilität an der Costa del Sol und Analyse der Durchführbarkeit eines Ausbaus der Strecke bis Algeciras und Nerja' unter Leitung von José Alfonso Gálvez Salinas wurde mit Big Data, den technologischen Mitteln des Ministeriums und auf Basis der Daten des Nahverkehrszuges durchgeführt. Erste Ergebnisse veranschlagen die Fahrgastzahl für einen Küstenzug zwischen Nerja und Algeciras auf rund 60 Millionen pro Jahr.
Um die Zahlen bewerten zu können, genügt ein Blick auf die heute bestehende Nahverkehrsschiene, die im vergangenen Jahr einen historischen Fahrgastrekord von 16 Millionen Nutzern feierte. Eine weitere Vergleichszahl: Der Hochgeschwindigkeitszug AVE befördert zwischen dem Bahnhof María Zambrano in Málaga und Atocha in Madrid pro Jahr rund vier Millionen Bahnpassagiere.
Nachfrage nach Korridoren
Die Studie ist in vier Gebiete unterteilt, wobei auch der Abschnitt analysiert wird, an dem bereits der Nahverkehrszug fährt. Laut Ergebnis gäbe es die größte Nachfrage für den Ausbau der Strecke an der westlichen Costa del Sol zwischen der Provinzhauptstadt und Estepona. Allein hier ist laut Studie mit jährlich rund 46 Millionen Fahrgästen zu rechnen. Das wäre fast dreimal so viel wie beim heutigen Nahverkehrszug. Die Zahlen stimmen überein mit dem Ergebnis einer anderen Studie, die im Auftrag der Stadtverwaltung von Málaga von dem Beratungsunternehmen ARCS durchgeführt worden war. In dieser Analyse war der Ausbau der Küstenschiene allerdings nur bis Marbella analysiert worden.
Erstaunlich ist, dass 25,5 Millionen der geschätzten Nutzer auf den Abschnitt entfallen, wo derzeit die Nahverkehrszugslinie C1 zwischen Málaga und Fuengirola verkehrt. Der Fahrplan ist allerdings sehr reduziert und die neu vorgelegten Zahlen geben einen Eindruck davon, wie hoch das Fahrgastaufkommen bei einem optimalem Angebot sein könnte.
Für den Abschnitt zwischen Fuengirola über Marbella bis Estepona berechnet die Studie potenzielle 20,3 Millionen Nutzer pro Jahr. Zwischen Estepona und Algeciras liegen die Schätzungen bei 4,9 Millionen Bahnfahrern. Für die Strecke östlich der Provinzhauptstadt zwischen Málaga und Nerja liegen die Zahlen hingegen nicht so hoch. Hier geht die Studie von rund zehn Millionen Fahrgästen jährlich aus.
Notwendige Maßnahmen
Angesichts dieser Zahlen liefert die Studie bereits eine erste 'Bewertung der Machbarkeit des Abschnitts' und präsentiert klare Schlussfolgerungen: Die Studie bewertet den neuen Bahnabschnitt zwischen Málaga und Fuengirola als «empfehlenswert». Für die Strecke zwischen Fuengirola über Marbella bis Estepona vergibt sie ein «potenziell empfehlenswert». Für die beiden restlichen Abschnitte zwischen Estepona und Algeciras sowie zwischen Málaga und Nerja hingegen sind laut Studie «bedeutende zusätzliche Maßnahmen» notwendig, damit diese Abschnitte sinnvoll werden. Hier sei die Zusammenarbeit zwischen der andalusischen Landesregierung und den Gemeinden erforderlich. Zu den ergänzenden Maßnahmen zählt die Studie bessere Busfrequenzen bei den Strecken mit hoher Auslastung, die Einrichtung von Busexpressdiensten in Gebieten mit hoher Geschäfts- oder Industrieaktivität oder die Schaffung von Busspuren für den öffentlichen Verkehr sowie Fahrradwegen für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer. Des Weiteren wird eine Aktualisierung der Konzessionäre gefordert, die Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger und deren Tarife untereinander sowie die Schaffung von Park-and-Ride-Parkplätzen und Umsteigebahnhöfen, um vom Auto auf die Bahn umsatteln zu können.