Málagas Flughafen braucht neue Start- und Landebahn
Nach dem neuen Rekord von fast 25 Millionen Passagieren im Jahr 2024 ist der Flughafen seiner Maximalauslastung von 30 Millionen schon sehr nahe gekommen
PILAR MARTÍNEZP. MARTÍNEZ
MÁLAGA. MÁLAGA.
Donnerstag, 6. Februar 2025
Fast hätte der Flughafen Málaga 2024 die Marke von 25 Millionen Fluggästen gerissen. Wieder eine historische Zahl. Doch noch während gejubelt wurde, gingen bei den zuständigen Behörden und vor allem auch in der Tourismusbranche die Alarmlichter an: Der Flughafen stößt womöglich in nicht allzu ferner Zeit an seine Grenzen, denn die maximale Auslastung liegt bei 30 Millionen Passagieren pro Jahr. Das wäre ein Plus von noch fünf Millionen Flugreisenden. Zur Erinnerung: In den zurückliegenden fünf Jahren inklusive Pandemie und Reiseflaute hat der Airport Málaga genau um diese fünf Millionen Passagiere zugelegt. Genauer gesagt: Allein in den vergangenen zwei Jahren gab es ein Plus von 3,6 Millionen Reisenden. Sollte sich das Passagieraufkommen in den kommenden fünf Jahren um zehn Prozent jährlich erhöhen – was unter dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre läge –, würden die Einrichtungen schon Ende kommenden Jahres an ihre Grenzen stoßen. Auf Basis dieser Rechnung würde 2025 am Ende mit 27,3 Millionen Fluggästen zu Buche schlagen, 2026 wären es schon 30 Millionen. Damit wäre das Limit der Abfertigung von maximal 9.500 Reisenden pro Stunde erreicht.
Das Besorgniserregendste aber ist, dass das aktuelle DORA II, das Flughafenregulierungsdokument, in dem alle fünf Jahre die notwendigen Investitionen aufgelistet werden, noch bis 2026 gilt. Bis dahin ist nicht eine einzige zusätzliche Ausgabe etwa für einen Ausbau enthalten. Die Rechnung wurde auf Basis von heute total überholten Daten aufgemacht. In DORA II ist die Zahl der Passagiere 2026 mit 20,7 Millionen Reisenden und die Zahl der Flugzeugbewegungen mit 150.810 beziffert.
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Millionen Passagiere 2024, ein Zuwachs von 11,4% gegenüber dem Vorjahr Achtgrößter Flughafen Spaniens.
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87.497 Flüge 2024, das sind 8,3% mehr als 2023 und bedeutet ein Wachstum von 12,6% im Vergleich zu 2019.
Nun werden allseits Forderungen laut, die zuständige Flughafenbehörde Aena müsse umgehend die notwendigen Maßnahmen für den Flughafenausbau einleiten, ein naturgemäß langwieriger Prozess von der Ausschreibung bis hin zur Vergabe und Fertigstellung der Bauarbeiten. Es müsse, so die Stimmen für einen schnellen Ausbau, verhindert werden, dass sich Málaga als Reiseziel per Flieger selbst die Luft abschnüre.
Investitionsplan
Die Flughafenbehörde Aena versicherte derweil, Málaga werde im nächsten Block für Großinvestitionen berücksichtigt, um zu garantieren, dass die Einrichtngen für die künftige Nachfrage korrekt ausgerichtet seien. Dennoch müsse bis 2027 und der Veröffentlichung von DORA III gewartet werden. Dies hat Aena-Präsident Maurici Lucena inzwischen bereits mehrfach beteuert und versichert, es werde dann eine «Welle von Investitionen» geben, damit Spaniens Flughäfen den Anforderungen der Zukunft gerecht würden. «Spanien», so sagte Lucena gegenüber Europa Press, «gilt als eines der fünf Länder weltweit mit dem größten Anstieg beim Passagieraufkommen in den kommenden Jahrzehnten». Neben Spanien seien dies die USA, China, Indien und Indonesien.
In einem kürzlich abgehaltenen Forum sagte Lucena, dass in den kommenden Jahrzehnten «deutlich mehr geflogen werde, denn die demographischen und wirtschaftlichen Ströme sind so tiefgreifend und zahlreich, dass dies unter anderem in mehr Flugverkehr münden» werde. Aena bestätigte, in dem geplanten «millionenschweren Investitionszyklus, dem wichtigsten der letzten 20 Jahre» sei auch der Flughafen Málaga-Costa del Sol berücksichtigt. Bereits in der Aktualisierung des Strategieplans 2022-2026 ist von einem «starken Anstieg des Flugverkehrs» die Rede, was sich besonders auf «touristischen Flugplätzen» bemerkbar und im nächsten DORA III Investitionen erforderlich mache.
Im Strategiepapier heißt es weiter: «Wir schlagen Investitionen vor, die mindestens doppelt so hoch sind wie in vorangegangenen Regulierungsperioden, und zwar auf Flughäfen, die 2023 84 Prozent der Fluggäste auf sich konzentriert haben.» Dazu gehört auch die Costa del Sol, die seit 2019 ein kontiniuerliches Wachstum von über zehn Prozent jährlich verzeichnet. Aus diesem Grund gehört der Flughafen von Málaga zu jenen Flughäfen, die sich in einer ersten Gestaltungsphase vor der eigentlichen Ausarbeitung des funktionalen Designs befinden. Neben Málaga gilt das auch für die Airports Josep Tarradellas Barcelona-El Prat (T1 und T2), Alicante-Elche Miguel Hernández, Valencia, Ibiza, Menorca, Bilbao, Santander und Melilla. Für einige dieser Projekte gibt es bereits zugesagte Mittel – die Costa del Sol gehört nicht dazu.
Weiterhin heißt es von der Flughafenbehörde, derzeit befinde man sich in einer «globalen Analyse, um den Bedarf beim Design der verschiedenen Flughäfen zu berücksichtigen, darunter auch Málaga, und um dies in den Vorschlag für DORA 2027-2031 aufzunehmen, der im Laufe dieses Jahres ausgearbeitet wird. Das Projekt für den künftigen Ausbau des Flughafens Málaga-Costa del Sol gehört zu den Wachstumsplänen von Aena in Spanien. Aena erklärte weiterhin, «im Fall der Infrastruktur in Málaga werden die funktionalen Bedürfnisse des Terminals analysiert sowie eine globale Analyse durchgeführt, die bei Bedarf aktiviert wird». Zum heutigen Zeitpunkt, so Aena jedoch, verfüge der Flughafen «über ausreichend Kapazität und Spielraum, um bis zu seiner Maximalauslastung von 30 Millionen Passagieren zu wachsen, was 17 Prozent über der Zahl der 2024 registrierten Reisenden liegt». Die Prognosen der Branche legten zudem nahe, dass sich der Wachstumsrhythmus verlangsamen werde.
Wer zurückblickt sieht jedoch auch: Bei den vorherigen Ausbaubeiten am Flughafen Málaga dauerte es elf Jahre von der Genehmigung des Projekts im Jahr 2001 bis hin zur Inbetriebnahme des neuen Kontrollturms, des Terminals T3 und der zweiten Start- und Landebahn im Jahr 2012. Aus diesem Grund vertritt Andalusiens Landestourismusminister Arturo Bernal auch die Meinung, es werde Zeit, Druck für einen baldigen Ausbau des Flughafens zu machen. Er kündigte an, Andalusiens Landesregierung werde entsprechende Maßnahmen einfordern. Bernal erklärte, seine Regierung stehe «in ständigem Austausch» mit der Flughafenbehörde und werde selbstverständlich die Forderung nach dem Ausbau ab jetzt konsequent vorantreiben. «Málaga braucht die Pläne für den Ausbau jetzt», so Bernal.
Der Minister erinnerte daran, dass beim letzten Ausbau gedacht worden sei, die Investitionen seien weit über die tatsächlich notwendigen Kapazitäten hinausgegangen. Später habe sich dann herausgestellt, dass der Ausbau eine der bestdurchdachten Infrastrukturen war, die je in Málaga vorangetrieben wurden, denn sie würden nicht nur die Costa del Sol bedienen, sondern ganz Andalusien. «Dieser Flughafen braucht den sofortigen Ausbau und wir werden das auch schriftlich fordern. Wir lassen uns nicht mit Versprechungen abspeisen», erklärte Bernal.
Francisco Salado, Präsident des Tourismusverbandes Costa del Sol, warnte ebenfalls davor, dass «die Regierung sehr spät an Verbesserungen und einen Ausbau des Flughafen denkt. Der Flughafen ist am Limit, ohne dass wir mit Blick auf ein neues Terminal und die restlichen Investitionen Zeichen von Eile oder Verpflichtung sehen». Salado erinnerte auch daran, der Flughafen sei «der Motor nicht nur der Provinz, sondern ganz Andalusiens. Wenn der Flughafen Probleme bekommt, dann ist davon nicht nur die Tourismusbranche betroffen, sondern die gesamte Wirtschaft. Auch der Zuzug von Unternehmen oder Investoren wird darunter leiden». Der Präsident des Tourismusverbandes bezeichnete den Flughafenausbau als fundamental und versicherte: «Man geht nicht am Erfolg zugrunde, sondern an einem Mangel von Planung, Management, Investitionen und einer mangelnden Anpassung an Wachstum und Bedarf. Und wir erleben schon zu viele Jahre, ohne dass es staatliche Investitionen gegeben hat.»
Auch der Bürgermeister von Málaga, Francisco de la Torre, bezeichnete den Ausbau des Flughafens als essenziell und warnte, es sei nicht nur eine entscheidende Infrastruktur für den Tourismus, sondern auch für den Fortschritt des erfolgreichen Duos Málaga-Technologie.
Der Hotelier-Verband der Costa del Sol (Aehcos) forderte, «der Ausbau muss so früh wie möglich ins Auge gefasst werden. Was uns Sorge bereitet ist, dass die Investitionen zu spät kommen». Eine Sorge, die auch der Präsident des Verbandes der Reiseagenturen der Costa del Sol, Sergio García, teilt. Er versicherte: «Die Investitionen, um die Zukunft einer entscheidenden Infrastruktur zu sichern, sind dringend erforderlich.»
Der Alicantiner Flughafen ist seinem Pendant in Málaga einen Schritt voraus und hat erreicht, dass die Flughafenbehörde die Ausarbeitung des Projekts für einen Ausbau des Terminal- und des Pistenbereichs ausgeschrieben hat. Mit einem Passagieraufkommen von 18,4 Millionen Reisenden im vergangenen Jahr und einer maximalen Kapazität für 20 Millionen pressiert es dem Airport Alicante, den Ausbau voranzutreiben. Wie auch im Fall von Málaga sieht der aktuelle Regulierungsplan DORA II in den kommenden zwei Jahren eigentlich keine Investitionen vor. Allein die Ausarbeitung des Projekts wird jetzt 20 Millionen Euro kosten. Die geplanten Maßnahmen sollen dann in DORA III aufgenommen werden.
Alicante steht beim Passagier-Ranking spanienweit auf Platz sechs. Auf den vorderen Plätzen sind Spitzenreiter Madrid, gefolgt von Barcelona, Palma de Mallorca und Málaga. Auch für die beiden Erstplatzierten sieht die Flughafenbehörde Aena ehrgeizige Sanierungspläne vor, wenngleich im Fall des Flughafens von Barcelona zunächst ein Interessenkonflikt zwischen dem Design für die Erweiterung und einem Kulturprojekt gelöst werden muss.
Aena hat sich des Weiteren für den Ausbau des Flughafens von Valencia ausgesprochen. Obwohl auch Málaga in den Aktualisierungen für den Strategieplan 2022-2026 aufgenommen wurde und zu den Flughäfen zählt, für die Vorprojekte erstellt werden sollen, hat sich Aena noch nicht zur Bereitstellung von Mitteln entschlossen wie etwa im Fall von Alicante. Aena beschwichtigt und wiederholt seine Botschaft: «Der Flughafen wird niemals zum Hindernis für das Wachstum der Costa del Sol werden.»