«Man muss auf die Durchschnittstemperaturen, Monat für Monat und Jahr für Jahr, blicken»
Eine Klimastudie der Universität Málaga bestätigt der Costa del Sol immer längere Sommer, die von Mai bis Oktober dauern
I. LILLOIGNACIO LILLO
MÁLAGA. MÁLAGA.
Donnerstag, 16. Januar 2025
José Luis Escudero, autodidaktischer Experte für Meteorologie in Málaga und Verantwortlicher des Blogs Tormentas y Rayos (auf SUR.es), hat die offiziellen Daten des spanischen Wetterdienstes Aemet von der Messstation am Flughafen Málaga zusammengetragen. Ihn habe die reale Erwärmung, die in Málaga vor sich gehe, interessiert, sagt er. «Nicht dass ich zuvor diese Entwicklung verleugnet hätte, aber hohe Temperaturen und Klimawandel hat es ja schon immer gegeben», sagt Escudero, um gleich hinzuzufügen: «In den zurückliegenden 50 Jahren aber ist die Durchschnittstemperatur eindeutig gestiegen.»
Eine Tendenz, die anhand der Daten gleich in drei Bereichen belegt wurde: bei den absoluten Durchschnittswerten, bei den durchschnittlichen Höchsttemperaturen und den durchschnittlichen Tiefstwerten. «Jetzt werden viele abwiegeln wollen und etwa sagen, dass die Daten am Flughafen genommen werden und dort die Zahl der Flüge gestiegen sei», greift Escudero Kritiken vor. Für ihn aber steht die Schlussfolgerung seiner Datenermessungen fest: «Es stimmt, dass es in bestimmten Momenten höhere Temperaturen gegeben hat, doch man muss auf die Durchschnittswerte schauen, Monat für Monat und Jahr für Jahr, und nicht auf Spitzen.»
Das Thermometer am Flughafen Málaga ist eine der wichtigsten Informationsquellen, die der spanische Wetterdienst Aemet für seine Analysen der Wetterentwicklung heranzieht und es ist der unstreitbare Zeuge für eine fortschreitende Erwärmung. Die Entwicklung der Durschnittstemperaturen, die an dieser Messstation aufgezeichnet werden, belegt: Es wird wärmer und wärmer – auch in Monaten, die bislang nicht als sommerlich galten.
Anhand der offiziellen Datenbank des staatlichen Wetterdienstes Aemet hat der Meteorologiefachmann José Luis Escudero die Entwicklung der Temperaturen in Málaga in den zurückliegenden 50 Jahren beleuchtet. Die in der Vergangenheit am Flughafen der Stadt erfassten Daten geben Einblick in die Höchst- und Tiefsttemperaturen sowie die durchschnittlichen Werte, die dort in den Jahren 1974-2024 registriert wurden. Ausgehend von diesen Daten wiederum hat Enrique Salvo, Leiter des Lehrstuhls für Klimawandel und Professor an der Universität Málaga (UMA), die Entwicklung analysiert und ist zu klaren Schlussfolgerungen gelangt: «Es ist eindeutig, dass die durchschnittliche Jahrestemperatur im Fall von Málaga im letzten halben Jahrhundert von 15,7 auf 18,25 Grad angestiegen ist.» Der Klimaexperte warnt: «Wir sprechen von einem Anstieg von 2,5 Grad, das heißt, sogar noch ein Grad über der globalen Erwärmung auf unserem Planeten.»
Den Hauptgrund für diese Entwicklung in Málaga sieht Salvo in der Erwärmung des Alborán-Meeres. «Es fungiert als Thermoregulator und kühlt nicht ausreichend ab, was sich vor allem bei den nächtlichen Tiefsttemperaturen bemerkbar macht», sagt der Forscher und fügt hinzu: «Auch die Tageshöchstwerte machen uns Sorgen, denn dort sehen wir einen Anstieg über dem globalen Durchschnitt, also eine Erwärmung von 2,5 Grad.»
Immer längere Sommer
Auch ein Blick auf die Entwicklung der Temperaturen je nach Monat und Jahreszeit in der Vergangenheit ist aufschlussreich und liefert vor allem zwei interessante Erkenntnisse. Zum einen ist zu beobachten, dass der Sommer inzwischen einen zentralen Teil mit einer Dauer von vier Monaten hat: Hochsommer von Juni bis September. Zum Vergleich: 1974 waren es noch drei Hochsommermonate. «Zwei dieser Monate, Juli und August, sind mittlerweile sehr heiß bis glühend heiß», erzählt Salvo. Hervorzuheben sei weiterhin, dass auch Mai und Oktober begännen, «mit Blick auf die Temperaturen sommerlich zu werden». Das gelte besonders für den Mai, der bislang immer als König des Frühlings angesehen worden sei. In beiden Fällen aber steigen die Höchsttemperaturen laut Salvo spürbar an. Generell, so der Wissenschaftler, würden die Zwischenjahreszeiten von April bis Mai und von Oktober bis November immer deutlicher sommerlich geprägt. «Mit anderen Worten: Wie haben praktisch keinen Frühling und keinen Herbst mehr, gehen brüsk in eine kältere Jahreszeit und einen Winter über, der von Mitte Dezember bis Mitte Februar dauert», sagt der UMA-Experte.
Deutlichere Tendenzen
Die Klimaanalyse der UMA beschäftigt sich auch mit der Frage, wann der Klimawandel sich in Málaga am deutlichsten abgezeichnet hat. Salvo erklärt: «Anhand der Daten und mit Blick auf die allgemeinen Durchschnittswerte sehen wir, dass es bis zu den Jahren 1998-1999 bereits eine Erwärmung gab, die jedoch auf das verstärkte Phänomen der städtischen Wärmeinseln zurückzuführen war.» Es waren also die Stadt und ihre Aktivitäten selbst, die für einen Anstieg der Temperaturen sorgten. Ab der Jahrtausendwende seien die Temperaturen kontinuierlich angestiegen, und zwar nicht nur durch Wärmeinseln bedingt, sondern auch durch die Auswirkungen des Klimawandels, durch das starke Bevölkerungswachstum der letzten 25 Jahre und die Zunahme beim motorisierten Verkehr.
Die Schlussfolgerungen der UMA sind pessimistisch. «Alle diese Daten bestätigen uns eine Situation, in der das Klima sich von sehr heißen zu glühend heißen Sommern entwickelt, wobei es auch sehr starke Auswirkungen von Hitzewellen geben wird, die immer häufiger auftreten und auch länger anhalten werden», erklärt Salvo und warnt, dass diese Entwicklung auch die Zahl der hitzebedingten Todesfälle weiter in die Höhe treiben werde. Im letzten Jahr starben in Spanien rund 1.300 Menschen während der Hitzewellen.
Um die von Mal zu Mal höheren Temperaturen, die städtische Gebiete noch einmal stärker betreffen, erträglicher zu machen, raten Experten zu mehr Grünzonen und Baumbepflanzung. Doch auch diese auf den ersten Blick einfache Lösung ist durch das gleiche Problem bedroht. Salvo sagt: «Viele Pflanzenarten überleben diese Erwärmung nicht, weil auch der Boden sich übermäßig erwärmt. Und für einen Baum sind nun einmal die Wurzeln das Wichtigste. Das sieht man gerade bei den Kiefern, die absterben. Und es gibt noch andere Pflanzenarten, die in Städten nicht mehr überlebensfähig sein werden.»