Mentalität der Spanier muss sich noch ändern
Donnerstag, 13. Februar 2025
Der Traum von den eigenen vier Wänden ist mittlerweile nicht nur für junge Menschen zu einer großen, nicht selten kaum zu bewältigenden Herausforderung geworden, sondern auch für viele andere Gesellschaftsschichten. Doch auch Wohnen zur Miete ist inzwischen angesichts steigender Mietpreise keine echte Alternative mehr. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Nachfrage nach alternativen Wohnformen in den zurückliegenden Jahren enorm gestiegen ist.
Alternativen, die vor allem für jene interessant sind, die ein Stück Land ihr Eigen nennen. Dann nämlich bieten sich Mobilheime oder Holzhäuser statt vier Wände aus Ziegeln an. Der größte Anreiz: die Preise. Gleich ob aus Holz oder mobil, das traute Heim wird in jedem Fall erschwinglicher als ein traditionell gebautes Haus. Und ist schneller bezugsfertig. Abhängig von Größe, Eigenschaften und Ausstattung kann ein solches Haus in ein paar Wochen fertig sein.
Im Zuge steigender Nachfrage hat sich das Angebot vervielfältigt und in den zurückliegenden Jahren sind in Málaga Unternehmen aus dem Boden geschossen, die sich auf die Herstellung und den Verkauf dieser alternativen Wohnoptionen spezialisiert haben. Das Unternehmen Casas de Madera Bálticas allerdings gehört zu den alteingessenen, blickt auf 20 Jahre Firmengeschichte zurück. Der Hauptsitz ist in Jaén, in Málaga gibt es eine Zweigstelle. Deren Leiter, Juan Torres, hat die Entwicklung seiner Branche mitverfolgt und versichert, in den zurückliegenden fünf Jahren sei die Nachfrage um 300 Prozent gestiegen. Auch das Kundenprofil habe sich geändert. «Zu Beginn hat unser Unternehmen vor allem Holzhütten und Häuser für abgelegenere Standorte angeboten, heute wird nach Häusern für jeden Ort gefragt, von abgelegenen Häusern, die mit Solarstrom funktionieren, bis hin zu Häusern, die technisch gesehen auf der Höhe jedes traditionellen Hauses sind. Nur, dass sie eben aus Holz sind», erläutert Torres. Wer ein Holzhaus im Sinn hat, sollte über ein Grundstück auf bebaubarem Gebiet verfügen, denn es gelten die gleichen Bestimmungen wie für ein Gebäude aus Stein.
Über den Kundentyp seines Unternehmens sagt Torres: «Wir haben Kunden aller Art, von jungen Leuten bis hin zu Ausländern, die diese Art von Haus bereits kennen, oder Familien mit begrenzten finanziellen Mitteln.» Es gebe allerdings auch ein Kundenprofil, das sich nicht allein mit Blick auf den Preis für alternative Hausmodelle interessiere, sondern wegen des Umweltschutzes. «Unsere Hölzer stammen aus kontrollierten Wäldern und sind eine nachhaltigere Option verglichen mit anderen Materialien», sagt Torres.
Die Preisspanne für ein Holzhaus ist breit. Gebaut werden kann mit Einzel- oder Doppelbalken, mit Isolierung oder ohne, und auch die Frage, ob ein Bauprojekt notwendig ist, fließt in den Endpreis mit ein. Dennoch, so der Fachmann, sei ein solches Haus selbst «in einer gehobenen Klasse noch 40 bis 50 Prozent günstiger als ein traditionelles Haus mit vergleichbaren Merkmalen». Ist das Holzhaus erst einmal in Auftrag gegeben, kann es in zwei Monaten fertig sein. Nach weiteren 14 Tagen Aufbau auf dem Grundstück ist schon Einzug angesagt.
Was die Langlebigkeit von Holzhäusern anbelangt, versichert der Leiter von Casas de Madera Bálticas: «Wir haben 50 Jahre alte Häuser, die noch in perfektem Zustand sind.» Grundlegend sei eine regelmäßige Instandhaltung. «Wir empfehlen alle anderthalb Jahre einen Außenanstrich und ganz einfach ein wenig sorgsamer mit den Häusern umzugehen als mit einem traditionellen Haus. Die Instandhaltung ist das A und O dieser Häuser. Sie müssen von außen vor Wettereinflüssen geschützt werden, und zwar mit einem Speziallack», sagt Torres.
Er räumt ein, dass die Zahl der Unternehmen, die sich auf Holzhäuser spezialisiert hat, in den zurückliegenden Jahren in Málaga deutlich gestiegen ist. «Konkurrenz ist immer gut, uns hat sie zudem nicht geschadet. Auf Landesebene gibt es zwei oder drei führende Anbieter in dieser Sparte und wir sind einer davon», versichert Torres.
Zur Konkurrenz gehören beispielsweise Toni und Eric Heredia, zwei Brüder, die vor drei Jahren das Unternehmen Casa Móvil Sur in Alhaurín de la Torre ins Leben riefen. Heute haben sie 22 Mitarbeiter. Einer der beiden Brüder hatte seit über 15 Jahren in der Branche gearbeitet und als er den Aufschwung sah, beschloss er, sich auf eigene Beine zu stellen.
Die mobilen Minihäuser, die auf einer Achse und Rädern aufmontiert werden und traditionell mit Campingplätzen assoziiert werden, sind vor allem für junge Menschen zur Lösung auf der Suche nach den eigenen vier Wänden geworden. «95 Prozent der Verkäufe dieses Jahres gingen an Kunden, die keine Camper sind, sondern Menschen, die keine Miete von 1.000 Euro zahlen wollen und an der Wohnungsfrage verzweifelt sind. Wir haben zwar auch Kunden, die diese Art von Häusern als Zweitwohnsitz kaufen, mehrheitlich aber sind sie als Hauptwohnsitz gedacht», sagt Toni Heredia. Mit seinem breiten Angebot bedient sein Unternehmen inzwischen Nachfragen aus ganz Spanien: Geliefert werden von Second-Hand-Mobilheimen, die aus Frankreich oder Großbritannien importiert werden und zwischen 13.000 und 25.000 Euro kosten, bis hin zu neuen Unterkünften, die nach den Vorstellungen des Kunden ausgestattet werden und je nach Größe und Extras zwischen 38.000 und 69.000 Euro kosten können. «Es gibt sie von einer Größe bis zu 68 Quadratmetern. Die Häuser bestehen aus Modulen, die vor Ort zusammengesetzt werden. Geliefert wird inklusive Mobiliar und der Auslieferungszeitraum beträgt rund drei Monate», so Heredia.
Architekten mit dabei
Auch einige Architekturbüros haben sich am neuen Trend zum alternativen Zuhause ausgerichtet. Kubo Arquitectos aus Benalmádena zum Beispiel arbeitet bereits seit einem Jahrzehnt mit einem industrialisierten Bausystem namens Sismo. Damit würden, so Mitarbeiterin Fiorella Inverso, Bauvorhaben «schneller vorangetrieben und zu einem Festpreis angeboten, ohne böse Überraschungen». Es handele sich bei dem System um Platten aus einer Stahlstruktur mit doppelter Isolierung, die direkt auf dem Grundstück in Lego-Bauweise zusammengesetzt würden. Zwar ist auch dies ein System, das einige Kosten und Zeit einspart, eine günstige Alternative wie die zuvor beschriebenen Häuser aber ist es nicht. Dennoch steigt die Nachfrage kontinuierlich. «Unser Verkaufskurve steigt Jahr für Jahr und wir bauen auf diese Weise inzwischen nicht nur Villen, sondern auch Hotels oder andere Gebäude», versichert Inverso.
Ob bei Holzhäusern, Mobilheimen oder recycelten Containerhäusern, die Hauptklientel sind junge Spanier und, im Fall älterer Kunden in erster Linie Ausländer. «In Spanien wird Komfort immer noch mit einer traditionellen Bauweise in Verbindung gebracht, wenngleich es andere Haustypen gibt, die gut isoliert sind und eine gut Verarbeitung bieten. Hier muss sich die Mentalität aber erst noch ändern», sagt Juan Pedro Fuentes, Gründer von J&J Container. Fuentes versichert: «Ausländern sind andere Wohnmodelle schon wesentlich vertrauter.»