Regierung in Madrid favorisiert Küstenzug parallel zur Schnellstraße A-7
Ausschlaggebend für den Streckenverlauf wird die Machbarkeitsstudie sein, die in diesem Monat ausgeschrieben wird
IGNACIO LILLO
MÁLAGA.
Donnerstag, 12. Dezember 2024
Als das spanische Verkehrsministerium Anfang des Monats eine Machbarkeitsstudie für den Bau der Küstenschiene zwischen Nerja und Algeciras ankündigte, hatte es zuvor in Madrid bereits interne Analysen über das Projekt gegeben. Die Beteiligten Experten kamen zu dem Schluss: «Der Korridor der A-7 muss optimal genutzt werden.» Zwar ist das der favorisierte Ansatz, dennoch soll die Machbarkeitsstudie zunächst noch weitere Aufschlüsse mit Blick auf Investitionsrahmen und mögliche Fahrgastzahlen bringen. Offene Fragen gibt es noch viele entlang der 195 Kilometer langen Strecke, vor allem hinsichtlich des verfügbaren Raums, technischer Lösungen, der Standorte für die Haltestellen und Bahnhöfe oder der voraussichtlichen Nachfrage.
Dass die Bahn in maximaler Küstennähe verlaufen soll, lässt sich schnell begründen: Dort sind die großen Gemeinden, dort warten potenzielle Nutzer. Ein Argument, das gleichsam gegen einen Streckenverlauf parallel zur Autobahn AP-7 spricht, da sie einen großen Bogen um die meisten Orte macht.
Wie alle großen Verkehrsadern verfügt auch die Schnellstraße beidseitig über eine Pufferzone, also eine gesetzlich vorgegebene Freifläche «beiderseits der Straße, die intern durch eine Dienstbarkeitszone und extern durch zwei parallel zur Fahrbahn verlaufende Zonen begrenzt ist». Für Autobahnen und Schnellstraßen muss die Freifläche 100 Meter breit sein. Und eben jene Fläche soll laut den Plänen der Zentralregierung für den Bau der neuen Küstenlinie genutzt werden, was auch die Kosten in Grenzen halten soll. Die Strecke soll weitestgehend oberhalb oder halb unterirdisch verlegt werden. Volltunnel, also die kostenintensivste Variante, soll es nur in Ausnahmefällen geben.
Pro und Contra
Schon seit Jahren haben sich in der Debatte um den Küstenzug immer wieder Experten für die Nutzung des A-7-Korridors ausgesprochen. So beispielsweise in einer von der Stadtverwaltung und der Provinzverwaltung von Málaga in Auftrag gegebenen Studie, die sich für diese Streckenführung speziell für das 20 Kilometer lange Teilstück zwischen La Cala de Mijas und dem Hospital Costa del Sol ausprach. Viele Ingenieure haben verschiedentlich darauf hingewiesen, dass eine parallele Streckenführung zur A-7 nicht auf der gesamten Länge möglich wäre. Zwar sei dies eine kostengünstigere Lösung als andere Alternativen, dennoch würde dieser Streckenverlauf den Betrieb der Schnellstraße beeinflussen und möglicherweise müssten sogar einige Streckenabschnitte verändert werden. Daher sei es wichtig, zuvor einen Großteil des Fernverkehrs auf die Autobahn AP-7 abzuziehen. Da es sich um eine gebührenpflichtige Autobahn handelt, sind hier bereits Nutzerrabatte im Gespräch.
Zudem gibt es auf der Schnellstraße A-7 kurvige Abschnitte, die nicht für eine parallele Schienenführung geeignet wären. Dazu gehören das Teilstück zwischen Las Lagunas und La Cala de Mijas, wo beinahe unausweichlich über rund vier Kilometer ein Tunnel gebaut werden muss. Dies hatte die andalusische Landesregierung bereits 2009 vorgeschlagen, zehn Jahre, nachdem das Küstenzugprojekt erstmals diskutiert wurde.
Das zentrale Problem aber ist die Streckenführung quer durch Málaga, wo man sich mit Blick auf die Machbarkeitsstudie innovative Lösungen erhofft. Auf dem Streckenabschnitt östlich der Provinzhauptstadt von San Pedro de Alcántara in Richung Algeciras hingegen werden nur geringe technische Probleme erwartet. Dort konzentrieren sich die Diskussionen vielmehr auf die adäquate Wahl der Bahnhofsstandorte, um die maximale Nutzerzahl anzusprechen.
Mit dem Thema vertraute Ingenieure weisen auch darauf hin, dass die Verwendung von Tunnelbohrmaschinen inzwischen weitaus günstiger sei als noch vor Jahren. Tunnel würden die negativen Folgen für die Costa del Sol als Urlaubsregion spürbar verringern.
Mit der Fertigstellung der Machbarkeitsstudie ist noch vor Ende 2026 zu rechnen, die Kosten für die Ausarbeitung belaufen sich auf 1,2 Millionen Euro.