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Mitarbeiter des Unternehmens Perica, das für Pflege und Sicherheit der städtischen Parks zuständig ist, entfernen befallene Bäume. MIGUE FERNÁNDEZ

Trockenheit und Schädlinge beschleunigen massives Kiefernsterben

Eine Rüsselkäferart macht spanienweit Nadelbäumen den Garaus, in der Provinz Málaga sind zudem Dürre und zu dichter Baumbestand eine Gefahr

CHUS HEREDIA

MÁLAGA.

Donnerstag, 2. Januar 2025

Seit über einem Jahr sind die Spuren eines Rüsselkäfers aus der Unterfamilie der Borkenkäfer auch in der Provinz Málaga und rund um die Provinzhauptstadt nicht mehr zu leugnen. Neben der seit Jahren herrschenden Trockenheit ist dieser Käfer einer der Hauptgründe für das fulminante Kiefernsterben, bei dem befallene Bäume innerhalb kürzester Zeit zu braunen Skeletten werden. Die Stadtverwaltung von Málaga sucht gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Córdoba fieberhaft nach Lösungen, um den Kahlschlag in den Griff zu bekommen.

In Málaga ist das Unternehmen Perica für die Pflege der städtischen Parks zuständig und die Mitarbeiter sind inzwischen fast täglich mit dem Entfernen abgestorbener Kiefern beschäftigt. Vermutet wird, dass der Große Waldgärtner, eine Borkenkäferart, einer der Gründe für das Baumsterben ist. Befallene Exemplare müssen umgehend entfernt werden – auch, um mögliche Waldbrände nicht anzufeuern, um die Wälder zu sanieren und nicht zuletzt, um Unfälle durch umgestürzte Bäume zu verhindern.

Angesichts dieses Panoramas hat die städtische Abteilung für Nachhaltigkeit bereits vor Monaten ein Abkommen mit der Hochschule für Land- und Forstwirtschaftsingenieure von Córdoba abgeschlossen. Deren technische Unterstützung im Kampf gegen das Kiefernsterben lässt sich Málaga 12.000 Euro kosten.

Die Borkenkäfer, auch als Rüsselkäfer bekannt, zersetzen die Bäume in Rekordzeit – immer mehr braune Baumkronen

Ángel Lorca, leitender Professor an der Fakultät für Forstwirtschaft, erklärte, die Wissenschaftler hätten die Entnahme von Proben abgeschlossen. Dabei seien in einigen Baumstümpfen Spuren des Borkenkäfers entdeckt worden. Mit Blick auf die vielschichtigen Gründe für das Kiefernsterben aber will der Wissenschaftler noch weitere Studienergebnisse abwarten, äußert sich zurückhaltend. Einer der Gründe für das Absterben der Bäume liege Jahrzehnte zurück, sagt Lorca und verweist auf die zu dichte Aufforstung in vielen Gebieten. Als Beispiel nennt er El Morlaco, wo rund 1.000 Exemplare pro Hektar gepflanzt worden seien. Hier sei es dringlich, auszudünnen und ausgewählte Bäume zu entfernen. Diese Maßnahme empfiehlt der Forstexperte in der Umgebung von Málaga neben Morlaco auch für Monte Victoria, Gibralfaro und San Antón.

«Ein zweiter Faktor sind die nährstoffarmen, schlechten Böden mit teils starkem Gefälle. Es sind an sich schon schwierige Böden, und wenn dann noch die Konkurrenz unter den Bäumen hinzukommt», erklärt Lorca. Trockenheit und hohe Temperaturen würden die Bäume zusätzlich schwächen und vielen den Rest geben. Die Böden seien noch immer sehr trocken, Kiefern gehörten zu den Flachwurzlern. «Kiefern sind von Natur aus besser ausgerüstet, um Kälte standzuhalten», sagt der Wissenschaftler.

Geschwächte Exemplare

«Der Baumbestand ist geschwächt und ein gefundenes Fressen für Schädlinge», erklärt Lorca weiter. Es handele sich um eine Borkenkäferart, die noch näher bestimmt werden müsse. Umgangssprachlich seien die Schädlinge als Rüsselkäfer bekannt und gehörten zu den holzfressenden Insekten, die in der Lage seien, Bäume in Rekordzeit zu zersetzen. Die Folge: Immer mehr Baumkronen stechen braun aus den noch gesunden umstehenden Bäumen hervor. Noch muss geklärt werden, ob die Insekten, von denen es weltweit mehr als 6.000 Arten gibt, auch Würmer übertragen.

Lorca warnt jedoch bereits jetzt vor der Ausbreitung des Käfers, der sich häufig im Inneren von Holzstümpfen aufhalte. So dringlich die Entfernung des befallenen Holzes auch ist, so schwierig und kostspielig stellt sie sich dar. Eine Alternative, die Lorca ins Spiel bringt und die auch die Stadtverwaltung von Málaga im Zuge ihrer Aufforstungspläne erwogen hat, ist das Umsteigen auf Johannisbrotbäume, Zypressen, wilder Olivenbaum oder andere mediterrane Arten. In jedem Fall muss laut Lorca Wert darauf gelegt werden, dass jedes Gebiet seine Eigenarten hat. San Antón in Málaga beispielsweise biete sich für einen mediterranen Wald an.

Derweil kämpfen auch die Techniker des städtischen Amtes für ökologische Nachhaltigkeit gegen den Käfer. Ein eigens abgetrenntes Gebiet am Gibralfaro wurde zwischenzeitlich wöchentlich bewässert, um die Entwicklung zu beobachten. Dort seien keine weiteren Bäume ausgetrocknet, was darauf hinweisen könnte, dass auch die lange Dürre das Kiefernsterben forciert hat.

Was die trockenen, gefällten Kiefern anbelangt, wird offiziell zwar die gleiche Zahl wie vor einigen Monaten genannt: 1.000 Exemplare. In Realität aber muss sie bereits wesentlich höher liegen, schließlich gibt es in Málaga Stadt offiziell 4,5 Millionen Hektar bewaldetes Gebiet und braune Baumkronen sind vielerorts sichtbar.

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