Vor Weihnachten doppelt so viel Personal an Bord
Gastronomie, Kunsthandwerk, Dekoration... In vielen Branchen boomt in diesen Tagen das Geschäft, Verkäufe und Aufträge schnellen in die Höhe. Da ist Vorausplanung gefragt
Donnerstag, 12. Dezember 2024
Das Weihnachtsgeschäft kann in vielen Unternehmen nur funktionieren, wenn sie ihre Belegschaft aufstocken. Bei Weihnachtsgebäckhersteller La Antequerana etwa kommen zu den zehn das ganze Jahr über Beschäftigten noch einmal sieben bis neun Angestellte hinzu. Auch im Pflanzenhandel Viveros Guzmán gibt es um diese Zeit Veränderungen, wobei das Personal dort von der weniger intensiven Produktion in den Verkauf im Weihnachtsladen wechselt und dort die Belegschaft um rund 30 Prozent verstärkt. Dehesa Monteros wiederum nimmt für den Verkauf der iberischen Wurstwaren vor allem zusätzliche Schinkenschneider unter Vertrag.
Weihnachten ist die Hochzeit des Konsums. Beinahe alle Branchen profitieren von den herannahenden Festtagen, doch es gibt einige, in denen jetzt sogar die Haupteinnahmen des Jahres anstehen. Gleich ob Gastronomie, Dekokration oder Kunsthandwerk, sie alle fahren zur Weihnachtszeit ihre Kapazitäten hoch, um der steigenden Nachfrage nachzukommen. In vielen Unternehmen vervielfachen sich die Aufträge.
Ein Beispiel ist Dehesa Monteros, ein Familienunternehmen aus der Serranía de Ronda, das sich der Produktion von erstklassigen iberischen Wurstwaren verschrieben hat. «Wir haben hier eine einzigartige Umgebung, wo die reinrassigen, ausgewählten Tiere sich an die abrupte Landschaft der Berge von Ronda angepasst haben und auch die Weiden pflegen. Hier stehen Tierwohl und die Endqualität des Produkts im Vordergrund», sagt José Simón, einer der Unternehmensleiter.
Pro Jahr werden bei Dehesa Monteros rund 1.000 Schweine geschlachtet, die auf den Weiden herangewachsen sind und sich von Eicheln und Kastanien ernährt haben. So bringt das Unternehmen zu 100 Prozent zertifizierte Produkte aus der Eichelmast auf den Markt, die im Premiumsegment angeboten werden. Zu den Kunden gehören luxuriöse Hotels, der Gourmet-Shop von El Corte Inglés oder Produzenten von erstklassigen Geschenkkörben, die zu Weihnachten von Unternehmen und Institutionen geordert werden. «Wenn wir über das Jahr hinweg Monat für Monat einen vergleichbaren Umsatz machen, verdoppelt oder verdreifacht sich dieser im November und Dezember», sagt Simón. Dazu tragen nicht etwa nur die Großkunden von Dehesa Monteros bei, vielmehr, so der Geschäftsführer, sei es der Moment «der Privatkunden, die ihre Bestellungen über unsere Website aufgeben». Hinzu käme dann noch der Export, der zu dieser Jahreszeit 20 Prozent des Geschäftsvolumen ausmache und vor allem in Länder Europas und Asiens gehe.
Wer in Andalusien Weihnachten sagt, kommt auch um Unternehmen wie La Antequerana nicht herum, einer der Traditionsbetriebe der Region. Für den Hersteller von Polvorones und Mantecados, dem weihnachtlichen Schmalzgebäck, das auf keiner Festtafel fehlen darf, ist Weihnachten nicht nur die Hauptproduktionszeit, sondern eigentlich seine Daseinsberechtigung. «Als Produzent von Weihnachtssüßigkeiten ist diese Jahreszeit für uns die wichtigste. Die Herstellung konzentriert sich auf einen Zeitraum von fünf Monaten, während der sich die Jahresbilanz entscheidet», heißt es von der Unternehmensleitung. La Antequerana blicke auf eine «treue Kundschaft, die von Jahr zu Jahr wächst». Auch die betriebseigene Cafetería La Antequerana in der Calle Merecillas in Antequera trage ihren Teil zu «Erhalt und Wachstum unseres Unternehmens bei».
La Antequerana konzentriert sich auf Kunden, die hochqualitative und traditionelle Produkte schätzen, das Gros der Verkäufe geschieht auf nationaler Ebene in Fachgeschäften und Gourmetläden. «In Supermärkten sucht man unsere Produkte vergebens», versichert das Unternehmen. Wer online über die Website kauft, erhält die Bestellung innerhalb von 48 Stunden ohne zusätzliche Kosten. Das Schmalzgebäck aus Antequera hat übrigens auch bereits ausländische Gaumen überzeugt, geht nach Deutschland, Italien, Frankreich, Belgien...
Ein anderes Unternehmen, in dem dieser Tage hart gearbeitet wird, ist der Pflanzenhandel Viveros Guzmán in Alhaurín de la Torre. Geschäftsführer Andrés Guzmán erklärt das Umsatzvolumen auch damit, dass sein Unternehmen es verstanden habe, sich an Veränderungen anzupassen. Er blickt zurück: «Vor Jahren war die Weihnachtszeit eine sehr gute Zeit für unsere Branche, doch dann ging das Geschäft zurück, weil keine echten Weihnachtsbäume mehr gekauft wurden. Auch Weihnachtssterne gehen bei uns inzwischen weniger, weil sie ja fast überall zu haben sind.» Es musste etwas passieren, und Guzmán entschloss sich, neben Pflanzen auch festliche Deko-Artikel anzbieten, die sein Geschäft jetzt zu einem riesigen Weihnachtsladen machen. «Da waren wir Vorreiter. In Spanien gab es bis dahin diese Art von Dekogeschäft fast ausschließlich in großen Einkaufszentren, nicht jedoch in Gartencentern, während das in anderen Ländern wie Frankreich oder Holland ganz normal war», erzählt Guzmán, der mit dieser Idee ins Schwarze traf. Neben dem Weihnachtsartikelverkauf in seinem Geschäft sorgt auch die erhöhte Nachfrage von Gemeinden für den festlichen Blumenschmuck in Straßen und auf Plätzen für rund 20 Prozent mehr Umsatz zu dieser Jahreszeit. Zwar komme Weihnachten nicht an die Verkaufszahlen vom Frühjahr heran, sei jedoch ein wichtiges Standbein geworden, so der Chef.
Einen riesigen Umsatzsprung macht dieser Tage das Ein-Frau-Unternehmen Mediterráneo Art in Mijas, wo Kunsthandwerkerin Humildad Ríos zur Weihnachtszeit besonders viele ihrer Arbeiten aus Holz verkauft. Die individuell dekorierten Stücke wie Servierbretter, Salatschüsseln, Lampen und viele andere Gebrauchsgegenstände sind jetzt gefragt. «In dieser Zeit steigt die Nachfrage enorm, vor allem Servierbretter für die Präsentation von Käse, Wurst oder anderen Lebensmitteln auf dem Festtisch sind beliebt», erzählt Ríos, deren Umsatz zur Weihnachtszeit 80 Prozent des Jahresgeschäfts ausmacht.
Mediterráneo Art verkauft über die eigene Website, in einer Coworking-Werkstatt in Puerta del Ágora in Mijas sowie auf verschiedenen Kunsthandwerkermärkten in der Provinz. Mit der Produktion beginnt Ríos bereits im September. «Spanier kaufen gern im letzten Moment, aber Briten oder US-Amerikaner planen die Geschenke schon jetzt. So oder so ist meine Produktion von September bis Dezember ausschließlich auf Weihnachten ausgerichtet», sagt die Kunsthandwerkerin. Ihre Kunden schätzten die 'Unikate' und sie habe ihre Arbeiten bereits auf allen Kontinenten verkauft.
Planung ist alles
Eine vorausschauende Planung ist allen Unternehmen, die zu Weihnachten zu Höchstformen auflaufen, gemein. Bei La Antequerana kümmert man sich bereits im Mai darum, die nötigen Rohstoffe und das Verpackungsmaterial für das beliebte Schmalzgebäck zu bestellen. Im August wird die Produktion dann langsam hochgefahren, ab Mitte September laufen die Plätzchen pausenlos vom Band. Zwar sei jede Kampagne anders, dennoch könne man sich auf zurückliegende Jahre als Leitfaden verlassen, heißt es aus der Chefetage.
Und Andrés Guzmán vom gleichnamigen Pflanzenhandel versichert: «Weihnachten kaufen wir bereits im Januar ein.» Wenn das Weihnachtsgeschäft noch nicht vorbei sei, müsse er sich schon nach den Artikeln für das nächste Jahr umschauen. «Pflanzen brauchen sechs Monate, um bei uns heranzuwachsen, und auch die Deko muss ja hergestellt und herangeschafft werden», erklärt er.