Der lange Weg zur Restaurierung: die Geschichte der Burg Alcazaba in Málaga
Fernando Alonso
Málaga
Sonntag, 31. August 2025
Die Alcazaba von Málaga wurde als Residenz für den Gouverneur der Stadt und gleichzeitig als Verteidigungsfestung erbaut. Zwar heißt es in muslimischen Chroniken, König Badis habe sie im 11. Jahrhundert in den Jahren 1057 bis 1063 geschaffen. Tatsächlich aber haben archäologische Analysen gezeigt, dass die Festung bereits Mitte des 10. Jahrhunderts in der Kalifen-Ära existierte. Laut dem spanischen Gelehrten und Restaurator, Leopoldo Torres Balbás, ist sie die bedeutendste erhaltene muslimische Festung auf der iberischen Halbinsel.
Bis zum 17. Jahrhundert muss die Alcazaba in gutem Zustand gewesen sein. König Philipp IV. übernachtete dort während seiner Reise nach Málaga im Jahr 1624. Im folgenden Jahrhundert hingegen begann der Verfall des Bauwerks. Reisende und Ausländer erzählten von dem fortschreitenden Verfall und offensichtlicher Vernachlässigung. Der Spanienreisende Francis Carter bedauerte im Jahr 1777, dass die Dächer und die oberen Teile der Mauern eingestürzt waren. Im Jahr 1786 berichtete der Geistliche und Schriftsteller, Cristóbal Medina Conde, über den erbärmlichen Zustand der Alcazaba: «Wie besiegt sie ist! Was für eine Menge einstürzender Gebäude! Was für ein Trümmerfeld von Mauern! Wie schade, dass ein Denkmal, das der maurischen Architektur zur Ehre gereichen würde, nicht erhalten wurde!« Die Kapelle San Gabriel war bereits eine Ruine, und die Messe wurde im Oratorium des Burgvogtpalastes abgehalten. Das berühmte Tor Puerta de la Cava war abgerissen worden.
Während dieser ganzen Zeit wurde die Festung von Burgvogten verwaltet, die ein festes Gehalt bezogen, mit dem sie auch zwei Leutnants und eine Garnison von mehreren Soldaten und Trägern bezahlen mussten, die sogar für das Läuten der Glocke zuständig waren. Wie Javier Ordóñez, Autor der besten veröffentlichten Studie über die Alcazaba in Málaga, hervorhebt, hieß der letzte urkundlich nachweisbare Burgvogt José María de Argumosa. Es war das Jahr 1820.
Im Jahr 1798 gab es Pläne für den Bau einer Kaserne auf dem Hügel über dem Meer, wo sich heute die Gärten von Puerta Oscura befinden. Es sollte ein neoklassizistisches Gebäude werden, das etwa 2.000 Soldaten beherbergen sollte. Doch als die Armee die Festung nach und nach verließ, wurde sie von der Zivilbevölkerung bewohnt, verlor ihre Verteidigungsfunktion und wurde zu einem weiteren Stadtviertel Málagas. Nach der Volkszählung von 1820 lebten in der Alcazaba insgesamt 431 Menschen in 113 Häusern. In jenem Jahr waren einige der Mauern und Räume der Nasridenpaläste noch erhalten.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts unterlag die Festung noch dem Militärrecht, wurde erst dann städtisches Eigentum. Zu dieser Zeit kamen alle Instandhaltungsarbeiten zum Stillstand. Vielmehr wurde mit dem Bau schlichter, billiger Häuser begonnen und die alten Verteidigungsanlagen verfielen zusehends. Eine Entwicklung, die von der Stadtverwaltung und den Bürgern mit Besorgnis beobachtet wurde, weshalb Abriss- und Stadtsanierungsprojekte ins Auge gefasst wurden, wie das, über das im Folgenden berichtet wird.
Im Dezember 1874 beschrieb der Architekt Juan Nepomuceno Ávila in der Zeitschrift El Avisador Malagueño ein «Projekt zum Abtragen des gesamten Alcazaba-Hügels und zum Bau neuer Straßen». Diese Idee wurde 1891 von dem Architekten Manuel Rivera Valentín wieder aufgegriffen und auch von dem Politiker und Historiker, Antonio Cánovas del Castillo, unterstützt. Ziel war es, dem fortschreitenden Verfall der ehemaligen Militäranlage und dem Mangel an Gesundheit und Hygiene für die Bewohner ein Ende zu setzen.
Das Projekt sah vor, auf dem Alcazaba-Hügel ein bürgerliches Viertel zu errichten, das aus rechtwinklig geschnittenen Wohnblöcken bestehen sollte. Die Hauptstraße sollte am Ende der Calle Granada beginnen und den neuen Park erreichen. Sie würde 368 Meter lang und 20 Meter breit sein. Das beim Abriss anfallende Material sollte für die Aufschüttung des Hafens verwendet werden, die bereits im Gange war. Die Projektträger argumentierten, dass sich die Stadt Málaga diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen dürfe. Dieses kuriose Projekt wurde jedoch nie verwirklicht, und die Alcazaba wurde gerettet.
Zeitgleich war mit dem Bau der Calle Larios begonnen worden, die 1891 für den Verkehr freigegeben wurde. Auch die Calle Molina Lario zum Hafen wurde in Betrieb genommen. Es gab sogar Pläne, diese Straße bis zur Plaza de Capuchinos zu verlängern. Andere Straßen im Stadtzentrum wurden auf den Grundstücken der aufgelösten Klöster gebaut. Es gab sogar Pläne, die Sagrario-Kirche 1890 abzureißen.
Erst 1933 begannen die Arbeiten zur Konsolidierung und Restaurierung der Alcazaba im Auftrag von Torres Balbás. Eine wichtige Rolle bei diesen Arbeiten spielten auch der Forscher und Politiker, Juan Temboury, sowie Architekt, José González Edo, denen es gelang, die Enteignung der Wohnungen zu erwirken. Diese mussten entfernt werden, um die abgerissenen Mauern und Türme wieder aufbauen zu können. Für den Wiederaufbau der Cuartos de Granada, also die Wohnbereiche aus der Taifa-Epoche, wurden spezialisierte Arbeiter aus der Alhambra von Granada hinzugezogen.
Die ersten Touristen in der Alcazaba
Der Gelehrte und Restaurator, Leopoldo Torres Balbás, berichtete, dass unerschrockene Touristen, der es Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts wagten, die Alcazaba in Málaga zu besichtigen, keine anderen monumentalen oder künstlerischen Überreste zu Gesicht bekamen als ein Tor in irgendeiner Ecke oder eine Turmruine. Wenn der Reisende darauf beharrte, mehr künstlerische Überbleibsel der Festung zu entdecken, gelangte er vielleicht an das Enge einer engen Gasse, wo eine alte Frau in einem Haus lebte, das in einen Turm gebaut worden war. In den ehemaligen Wohnräumen der Festung, den Cuartos de Granada, gab es noch Bauelemente aus der Mudéjar-Zeit wie etwa die Decke eines großen Raumes, der im Volksmund als 'la Mezquita' (die Moschee) bekannt wurde.
Man braucht sich nur Archivfotos anzuschauen, um den Verfall und den erbärmlichen Zustand der Alcazaba zu begreifen. Hier Auszüge aus den Beschreibungen von Restauratoren: «Die meisten der bestehenden Behausungen sind regelrechte Hütten aus zusammengesuchten Ziegelsteinen, in denen die Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht leben.» Oder: «Die Alcazaba wurde zu einer erbärmlichen Behausung, in der sich anderthalb Jahrhunderte lang Jahr für Jahr auf dem Berg Schichten von Unrat übereinander getürmt hatten.»
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